In den letzten Tagen habe ich viel über Übergänge nachgedacht.
Über diese besonderen Zwischenräume im Leben, in denen das Alte irgendwie schon hinter uns liegt und das Neue noch nicht richtig begonnen hat. Wir sind weder hier noch dort.
Und genau diese Zwischenräume fallen uns Menschen manchmal so schwer, denn sie beudeuten Abschied und Unsicherheit.
Denn das Bekannte ist uns vertraut, selbst wenn es vielleicht gar nicht mehr richtig zu uns passt. Das Neue dagegen kennen wir noch nicht. Wir wissen nicht genau, was uns erwartet, wie es sich anfühlen wird oder ob wir darin unseren Platz finden. Und diese Unsicherheit bringt Angst mit sich, Angst vor dem Ungbekannten.
Dabei begegnen uns solche Übergänge nicht nur bei den großen Veränderungen unseres Lebens, sondern auch mitten in unserem ganz normalen Alltag. Zum Beispiel, wenn ich meine Arbeit beende und meine Kinder aus der Schule kommen oder wenn ich eine Aufgabe beende und mich der nächsten zuwende.
Übergänge bewusst gestalten, auch im Alltag
Vielleicht kennst du das auch: Eigentlich ist der Laptop längst zugeklappt, aber im Kopf beantwortest du noch eine Mail, denkst über eine Idee nach oder gehst deine To-do-Liste durch. Gleichzeitig sind die Kinder schon da und wollen etwas erzählen, brauchen deine Aufmerksamkeit oder einfach dich.
Der Körper ist schon im nächsten Raum angekommen, aber der Kopf irgendwie noch nicht. Ich habe für mich festgestellt, wie gut es mir tut, diese kleinen Übergänge bewusst zu gestalten. Meine Arbeitszeit nicht einfach irgendwie enden zu lassen, sondern sie mit einem kleinen Ritual wirklich abzuschließen: mich strecken, dehen und ein paar bewusste Atemzüge, den Schreibtisch aufräumen, einen Moment nach draussen gehen und frische Luft schnappen oder einfach die innere Entscheidung: Für heute ist es genug.
Ein kleines Ritual, das meinen Fokus verändert, meine Aufmerksamkeit zu 100% auf etwas anderes lenkt und meinem ganzen System sagt: Jetzt darf etwas enden. Und etwas anderes beginnen.
Die Zwischenräume, die wir uns selbst schenken
Und dann gibt es noch eine andere Art von Zwischenraum. Einen, der mir besonders wichtig geworden ist.
Den Raum zwischen all meinen Rollen.
Zwischen Mamasein und meiner Selbstständigkeit. Zwischen Organisieren, Planen, Kümmern, Arbeiten und Für-andere-da-Sein. Einen Raum, in dem ich all das für einen Moment loslassen und einfach wieder bei mir selbst ankommen darf.
Gerade wir Frauen sind so oft im Funktionsmodus. Wir halten so vieles zusammen, denken an tausend Dinge gleichzeitig, kümmern uns, organisieren und machen weiter – oft auch dann noch, wenn wir eigentlich längst eine Pause bräuchten. Und irgendwo dazwischen verlieren wir leicht den Kontakt zu uns selbst.
Deshalb glaube ich, dass wir diese Zwischenräume nicht nur wahrnehmen dürfen. Wir müssen sie uns ganz bewusst schaffen.
Freiräume, in denen wir wieder spüren können:
Wie geht es mir eigentlich gerade?
Was brauche ich jetzt?
Was möchte ich?
Und bin ich noch auf meinem Weg – oder funktioniere ich gerade einfach nur?
Gerade in meiner Arbeit mit selbstständigen Frauen und Müttern ist das ein zentrales Thema: sich zwischen Business, Familie und all dem, was täglich gehalten und organisiert werden will, selbst nicht zu verlieren.
Und dafür braucht es für mich mehr als die Yogastunde einmal in der Woche oder fünf Minuten mit einem Buch auf dem Sofa. Es braucht regelmäßige, echte Freiräume, in denen wir wieder hören können, was in uns selbst gerade leise geworden ist.
Darüber möchte ich unbedingt noch einmal ausführlicher schreiben. Denn ich glaube, dass wir gerade diese Art von Zwischenräumen viel zu oft vergessen.
Im Rhythmus der Jahreszeiten
Das Gleiche erlebe ich mit den Jahreszeiten. Gerade der Abschied vom Sommer fällt mir jedes Jahr ein bisschen schwer. Ich liebe diese langen, hellen Tage, die Wärme und das viele Draußensein. Und obwohl ich den Herbst wirklich liebe, schwingt da zunächst oft diese leise Wehmut mit.
Seit ich jedoch auch diesen Übergang bewusster gestalte, fühlt er sich anders an. Ich verabschiede den Sommer und schaue zurück auf das, was war. Und ich öffne mich ganz bewusst für das, was jetzt kommen darf. Auf diese Weise bleibt zwar ein kleines bisschen Wehmut, aber auch ganz viel Vorfreude auf die Herbstzeit mit ihren bunten Farben, der milden Wärme, den Kastanien und gemütlichen Abenden.
Vielleicht liegt auch genau darin für mich die Magie von Ritualen:
Sie geben dem Dazwischen einen Raum.
Denn wir müssen nicht von einem Moment in den nächsten springen, sondern dürfen kurz innehalten, würdigen, was war und loslassen, was gehen darf. Um uns dann voll und ganz für das Kommende zu öffnen.
Die Rauhnächte als besonderer Zwischenraum zwischen den Jahren
Deshalb liebe ich die Rauhnächte und diesen besonderen Übergang vom alten ins neue Jahr so sehr.
Für mich sind die Rauhnächte einer der kraftvollsten Zwischenräume im Jahreskreis. Das alte Jahr liegt hinter uns und das neue noch ganz unberührt vor uns. Für ein paar Tage dürfen wir dazwischen sein: zurückblicken, loslassen, still werden und träumen.
Und gleichzeitig hineinspüren, was wir mitnehmen möchten und was vielleicht im alten Jahr bleiben darf.
Auch als Familie können die Rauhnächte zu einem wunderschönen Zwischenraum der Verbundenheit werden.
Gerade nach den oft so vollen Wochen vor Weihnachten entsteht plötzlich die Möglichkeit, bewusst zusammenzurücken, zur Ruhe zu kommen und den Übergang ins neue Jahr miteinander zu erleben. Bei Kerzenschein, mit einer Geschichte und kleinen gemeinsamen Ritualen. Ein paar Minuten, in denen sich alle ohne Ablenkung von aussen wirklich gesehen fühlen und spüren: Jetzt sind wir hier. Zusammen.
Wir müssen noch nicht wissen, was das neue Jahr bringen wird.
Wir müssen auch nicht planen, machen und optimieren.
Wir dürfen für einen Moment einfach nur dazwischen sein.
Genau aus diesem Wunsch heraus ist auch meine Rauhnächte-Schatzkiste „Die Reise zum Wintertor“ entstanden: eine gemeinsame Reise durch die Sperr- und Rauhnächte, die euch als Familie Abend für Abend kleine Momente der Ruhe, Verbindung und bewussten Familienzeit schenkt.
Die Kraft des Dazwischen
Das macht Zwischenräume so wertvoll: Sie schenken uns einen Moment, in dem wir nicht schon beim Nächsten sein müssen. Wir dürfen einfach da sein, mit uns selbst und mit den Menschen, die uns wichtig sind. Und erst dann langsam den Blick nach vorne richten und uns für das öffnen, was kommen möchte.
Wir müssen nicht jeden Übergang sofort mit Plänen und neuen Zielen füllen. Manchmal liegt seine größte Kraft genau darin, für einen Moment im Dazwischen zu bleiben.
Denn Zwischenräume sind nicht einfach nur die Zeit zwischen zwei Dingen.
Sie sind oft genau der Ort, an dem Veränderung beginnt.


